24.02.2017

Schlechtes Wetter in der Bergedorfer Museumslandschaft

Rede des Fraktionsvorsitzenden, Sven Noetzel, in der Aktuellen Stunde der Bezirksversammlung

Sven Noetzel

Sehr geehrte Damen,
sehr geehrte Herren,
sehr geehrter Herr Bezirksamtsleiter,

schlechtes Wetter in der Museumslandschaft. Mit welcher positiven Energie ist die Übernahme der Bergedorfer Museen durch den Bezirk gestartet. Besser sollte es werden. Mehr Bergedorf in den Bergedorfer Museen sollte die Standorte dauerhaft sichern und die Attraktivität steigern. Besonders das Schloss und das Rieck-Haus sollten wieder mehr in das Leben der Bergedorfer rücken. Die Museumslandschaft ist vom Bezirksamtsleiter sogar zur Chefsache erklärt worden. Doch was ist daraus geworden...

Dabei meine ich gar nicht die Diskussionen um die bauliche Unterhaltung, die Sicherung der Zuwegungen und der Schutz vor Parasitenbefall. Viel hat hier für Unverständnis gesorgt, ist jedoch irgendwann glücklicherweise geklärt worden.

Auch das Unverständnis dafür, dass die Finanzierung der geplanten Maßnahme auf der Sternenwarte bisher noch nicht final gesichert ist, soll heute nicht das Thema sein. Der Bund hat nämlich seine Zusage geben, die endgültige Zusage der Landesmittel fehlt noch.

Wir haben uns leider auch an die negativen Schlagzeilen bzgl. des Schlossstreites zwischen dem Museum und der Gastronomiepächterin inzwischen gewöhnt. Verständnis haben wir hierfür nicht. Sorgt dieser Streit doch für eine negative Außendarstellung aller Beteiligten und damit insbesondere auch für die Museumslandschaft Bergedorf. Für den Freundeskreis des Schlosses kann dieser Konflikt sogar existentielle Bedeutung haben.

Auch das die inhaltliche Ausrichtung nicht ganz so ausfällt wie erwartet, soll heute nur eine Randnotiz sein. Gab es in den Jahren vor der Verselbstständigung vielleicht weniger Ausstellungen, hatten diese jedoch deutlich regionaleren Bezug. Seit 2013 gab es nur eine einzige lokalhistorische Ausstellung, die vom Museum selbst kuratiert wurde und auf lokalhistorischer Forschung des Museums basiert. Die weiteren Ausstellungen entstanden auf externe Initiativen oder es wurden Wanderausstellungen eingekauft. Dies ist an sich gar nicht zu kritisieren, jedoch ist anzumerken, dass die Relevanz und die Beachtung der Ausstellungen über Bergedorf hinaus nicht zugenommen haben. Da hatten wir vielleicht etwas mehr erwartet. Deutliche mehr Qualität kann man jedoch bei der aktuellen Ausstellung „Ansichtssache“ erwarten, sind hier doch noch viele inhaltliche Mängel abzustellen.

Wirklich schlimm sind jedoch die aktuellen Vorgänge rund um das Rieck-Haus und die Reaktion bzw. die fehlende Reaktion des Bezirksamtsleiters.

Der Freundeskreis hat z. B. in langjähriger ehrenamtlicher Arbeit jedes Jahr das Erdbeerfest auf die Beine gestellt – ohne die Einnahmen aus dem Erdbeerfest und die durch den Freundeskreis eingeworbenen Spenden in beträchtlicher Höhe hätte im Rieck-Haus wohl gar nichts stattfinden können. Statt dies zu würdigen, hat die Museumsleitung dem Verein z.B. ein Ultimatum gestellt, die Internetseite des Vereins abzuschalten. Dann aber wochenlang nicht kommuniziert, worum es ihr dabei eigentlich ging. So darf man mit Menschen, die ihre Freizeit opfern, nicht umgehen! Ehrenamtliche sind keine Bediensteten, und einen solchen Umgang darf der Bezirksamtsleiter, der das Ehrenamt ja immer in den höchsten Tönen lobt, nicht zulassen. Und wenn Herr Dornquast ankündigt bzw. ankündigen lässt, dass das Erdbeerfest 2017 in der Verantwortung des Bezirks stattfinden werde, kann man ihnen nur viel Glück wünschen! Viele der ehrenamtlichen Helfer werden auf Grund der großen Verärgerung über den Umgang der Museumslandschaft mit dem Ehrenamt in diesem Jahr das Erdbeerfest nicht unterstützen. Und es geht hier nicht um Differenzen zweier Personen, nein, es geht um den grundsätzlichen Umgang miteinander. Es ist ungehörig, wie hier mit den Ehrenamtlichen umgegangen wurde. Es ist ungehörig, wenn man über Ehrenamtliche kommandiert. Und das haben nicht nur einzelne Personen so empfunden. Die Mehrheit des Freundeskreises hat die letzte Konsequenz gezogen und der Freundeskreis befindet sich nun unwiderruflich in Auflösung. So zerstört man ehrenamtliches Engagement.

Die Verärgerung in den Vierlanden ist groß, sehr groß, und letztlich ist Herr Dornquast dafür verantwortlich. Das Bezirksamt stellt 2/3 des Vorstandes der Museumslandschaft und Herr Dornquast ist der Bezirksamtsleiter. Sie haben 2012 nach eigener Aussage die Museen zur Chefsache erklärt. Damit trägt er für alle Vorgänge die Verantwortung und dieser Verantwortung müssen Sie sich stellen. Sie haben es in den letzten 5 Jahren nicht geschafft, dass mit den Menschen fair umgegangen wird, die sich für die Museen einsetzen.

Die Vier- und Marschländer haben sich mit diesem Freilichtmuseum über lang Jahre wirklich identifiziert – jetzt werden sie schlechter behandelt als früher das Gesinde auf dem Hof, und das lässt sich kein Vier- und Marschländer bieten. Das ist das Resultat Ihres Handelns bzw. Ihres Nichthandelns. Es hilft hier nur ein Neuanfang und diesen sollten Sie Herr Dornquast nicht belasten. Deshalb kann die Forderung nur sein: Treten Sie aus dem Vorstand der Museumslandschaft zurück! Ermöglichen Sie so einen Neuanfang und sorgen Sie so dafür, dass das ehrenamtliche Engagement wieder an Bedeutung gewinnt und die Museumslandschaft eine Zukunft hat.

(es gilt das gesprochene Wort)



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